Projekt zur Erforschung der Waldsaatgans im Unteren Odertal erfolgreich durchgeführt und zahlreiche Waldsaatgänse besendert

(Aufzeichnung der Fluglinien in den Bildern unter dem Text)

 

Bereits in den ersten beiden November-Wochen wurde im Nationalpark Unteres Odertal das geplante Projekt zur Beringung und Besenderung von Waldsaatgänsen erfolgreich durchgeführt. Am Fangplatz im Lunow-Stolper Trockenpolder im Südteil des Nationalparks wurden innerhalb von 2 Wochen insgesamt 34 Saatgänse, darunter 21 Waldsaatgänse und 13 Tundrasaatgänse, mit Unterstützung des niederländischen Gänsefängers Kees Polderdijk gefangen und beringt. Insgesamt 23 Saatgänse (davon 19 Waldsaatgänse) wurden zusätzlich mit einem Halsbandsender ausgestattet, um die Wanderungen der Vögel im Detail verfolgen zu können. Zum Einsatz kam eine spezielle Gänsefangmethode aus den Niederlanden mit großen Schlagnetzen und lebenden Lockgänsen.

Die ersten Ergebnisse der Besenderung sind sehr vielversprechend. Der Großteil der besenderten Vögel hält sich noch in der Nationalparkregion auf, wobei bislang über 15 verschiedene Schlafplätze und zahlreiche Nahrungsflächen auf deutscher und polnischer Seite von den Vögeln angeflogen wurden. Mehrere der Schlafplätze waren sogar bislang überhaupt nicht als Gänseschlafplätze bekannt.

Je eine besenderte Waldsaatgans hält sich aktuell in Vorpommern (Schlafplatz: Anklamer Stadtbruch, Nahrungsflächen auf Usedom) und im Odermündungsbereich auf polnischer Seite (Wolin, Steinernes Haff) auf.

Das Waldsaatgansprojekt unseres Vereins ist ein internationales Kooperationsprojekt mit Partnern aus China (Research Center for Eco-Environmental Sciences/Chinesische Akademie der Wissenschaften), Russland (A.N.Severtsov Institute of Ecology and Evolution, Russische Akademie der Wissenschaften), Deutschland (Max-Planck-Institut für Ornithologie, Nationalparkamt Unteres Odertal) und Dänemark (Aarhus Universität).

Das Projekt wird durch eine Förderung des Naturschutzfonds Brandenburg aus Mitteln der Lotterie Glücksspirale, durch Mittel des Nationalparkamtes sowie durch eine großzügige Spende der Firma GASCADE finanziell unterstützt.

Wir danken allen Teilnehmern und Helfern des Projektes, den Projektpartnern und den Sponsoren des Projektes für ihre großartige Unterstützung.

Hintergrund : 

 

Waldsaatgänse gehören zu den wenigen Gänsearten in der Westpaläarktis mit einer deutlich negativen Bestandsentwicklung von über 100.000 Vögeln zu Ende der 1990er Jahre auf weniger als 50.000 Vögel Anfang der 2010er Jahre. Aufgrund der starken Bestandsrückgänge erfolgte durch AEWA (Afrikanisch-Eurasisches Wasservogel-Abkommen) eine Einstufung in Spalte A, Kategorie 3c, wodurch eine jagdliche Nutzung nur noch erlaubt ist, wenn deren Nachhaltigkeit gewährleistet ist. Zugleich wurde AEWA beauftragt, einen Internationalen Artenschutzplan für die Waldsaatgans aufzustellen.  Der fertige Plan  wurde 2015 veröffentlicht. Innerhalb des Planes  wurde eine Aufteilung in vier Unter-Populationen  vorgenommen.

 

Die in Nordost-Deutschland und Polen überwinternden Vögel wurden der Population E1 mit Brutgebieten in Westsibirien zugeordnet. Diese Population unterliegt rezent den stärksten Bestandsrückgängen (Mitte der 2000er Jahre 40-50.000 Vögel, aktuell 10-15.000 Vögel). Zugleich ist bislang nur sehr wenig zur exakten Lage der Brutgebiete, zu den Zwischenrastgebieten in Russland und Osteuropa sowie zu den Zugwegen bekannt. Mauserplätze für diese Population sind bislang sogar gänzlich unbekannt. Während für alle anderen Populationen durch Forschungsarbeiten, die auch Beringungen und Besenderungen beinhalten, grundlegend neue Erkenntnisse zum Zugverhalten sowie zu den Brut-, Rast- und Mausergebieten ermittelt wurden, fehlen entsprechende Untersuchungen für die Population E1.

Diese Kenntnislücken sollen im Rahmen des genannten Projektes durch gezielte Beringung und vor allem Besenderung geschlossen werden. Bisherige Ergebnisse der Beringungen aus dem Jahre 2007 legen nahe, dass das Untere Odertal als eine zentrale Drehscheibe innerhalb der Überwinterungsgebietes in Nordost-Deutschland dient, wodurch Beringungen hier zugleich Ergebnisse für andere Überwinterungsplätze in Deutschland und Polen liefern können, zu denen die markierten Vögel im Anschluss fliegen.

 

 

Projektziele sind die Ermittlung der Zugwege sowie der exakten Brut-, Zwischenrast- und Mausergebiete von in Westsibirien brütenden und in Nordost-Deutschland überwinternden Waldsaatgänsen (Anser fabalis fabalis , Ermittlung von Daten zur Raumnutzung, Habitatwahl und zum Austausch zwischen Rastplätzen von Waldsaatgänsen im Überwinterungsgebiet in Nordost-Deutschland und Polen sowie Schließung von Kenntnislücken zum Auftreten der Waldsaatgans in Osteuropa und Russland sowie zum Brut- und Zugverhalten von Waldsaatgänsen.